Unterirdische Bahnstrecke Neunkirchen

  • Hallo an alle...

    ich finde die Seite hier sehr interessant. Darauf gekommen bin ich, da ich Informationen suchte über den Luftschutzstollen in Neunkirchen Saar am Sinnerthaler Weg an der Motocross Strecke. Dort befindet sich auch ein kleiner Eingang. Erzählungen nach sollte aber auch noch ein großer Eingang sein.

    So stieß ich durch den historischen Verein auf weitere Informationen. Z.b. das Neunkirchen insgesamt 4,7 Kilometer untertunnelt ist.

    Und hier komme ich zur Hauptfrage: An den alten Rangiergleisen über dem "Plättchesdolen" in Nähe des Hauptbahnhofs befindet sich an einem verlassenen Kontrollhaus unterirdisch eine ehemalige Bahnstrecke. Darin ein Gleisbett, die Schienen nicht mehr da. Ein riesiger, betonierter, imposanter Tunnel. Von beiden Seiten allerdings zugeschüttet.

    War das eine alte Strecke um damals Kohle unterirdisch zu transportieren? Ist ein Zusammenhang mit dem Luftschutzstollen bekannt?

    Auf dem Bild markiert der rote Strich den Verlauf des Tunnels. Der gelbe Pfeil zeigt in Richtung Motocross Strecke mit dem vermuteten Luftschutzstollen.

    Weiß dazu jemand näheres? Leider gibt es kaum noch Zeitzeugen. Wäre toll! Ich bedanke mich im Voraus?

    Viele Grüße

  • ooh, das hört sich ja sehr interessant an!

    Danke für die Info! Ich bin mal gespannt, was es da an weiteren Informationen noch geben wird. Interessant auch, an welcher Stelle die "U Bahn" wieder ans Tageslicht gekommen ist.


    Also: für mich ist das Thema (fast) völlig neu. Aber, mir war vor Jahren unter der Bahnbrücke am Spitzbunker, die zum ehemaligen Nordwerk des NE führt, aufgefallen, daß es da eine Konstruktion unter der Brücke gibt, die aussieht, als wären unter dem sichtbaren Gleis weitere Gleise gebaut gewesen.

    Also Gleisanlagen unter den jetztigen. Östlich und westlich aber kein Anschluß.

    Das würde sich aber mit obiger Info decken. Offensichtlich hatte man die Montanindustrie mit einem sichernen Gleis vor militärischen Angriffen gesichert,

  • Hallo Hans-Joachim,

    ja genau.. ich gehe davon aus, das eventuell der Hochofen oder die Verbindung zur Grube Kohlwald und König unterirdisch war. Der Tunnel ist gewaltig... wirklich gewaltig. Unter dem jetzigen neuen Globus wurde auch was gefunden beim Bau. Aber direkt zu gemacht - bevor der historische Verein vor Ort war.

  • da ich heute Morgen was in Neinkerjer zu tun hatte, war ich auch mal kurz an der Bahnbrücke vorbei gegeangen


    Die "U Bahn" Gleise sind sichtbarer als ich in Erinnerung hatte.

    Das vordere Gleis ist einspurig.

    von Süden, unteres Bild links zugemauerter Anschluß

    Das südliche Gleis könnte durchaus in Richtung Hochofen bzw. Sinteranlage zum Rohstofftransport gedient haben.

    Im Nordbereich liegen 4 Gleise. Jeweiils 2 getrennt. Das deutet auf unterschiedliche Richtungen hin. Möglicherweise ist die Trennung auch wegen der Konstruktion bedingt.

    Die folgenden Bilder alle von der Nordseite.



    Interessant wäre auch, wann diese Gleise gebaut wurden. Ebenso welche Loks zum Einsatz kamen.

    Ein interessantes und umfangriche Thema!!

  • Huhu Hans-Joachim,

    fällt mir zum ersten Mal auf. Wir sind als Kinder Raum Bahnhofstrasse / Wellesweilerstrasse / Brückenstrasse aufgewachsen. Jahrgänge 1969. Und damals war die Hütte noch voll in Betrieb, aber kaum zugänglich. Manches von den Geschehnissen im Betrieb hatte für ein Kind ein bisschen den Schleier des mystischen. Wenn man genau schaut, findet man noch einiges. Wenn Du z.B. an der Stummschen Kapelle oben rechts in den Wald hinein gehst, findest Du in der Nähe des Spitzbunkers oberhalb noch Bombentrichter.

    Ich kam eigentlich auf den Luftschutzstollen unter der Motocross Strecke aufgrund einer Erzählung eines alten, langjährigen Berufsfeuerwehrmannes in Neunkirchen. Er war im Dienst der FW NK seit Kriegsende. Er erzählte von großen Stollen / Einlagerungen unter der Erde, in welchen sich Ende der 80er noch uralte Eisenwerksmaschinen befunden haben sollen. Teils von vor 1900.

    Auch soll unter dem Spitzbunker ein Weg bis unter das Städtische Krankenhaus führen. Dort drunter soll auch eine Bunkeranlage sein.

    Nachkommen älterer Leute erzählten mir, dass es tatsächlich einen sehr großen Luftschutzstollen unter der Motocross Strecke gibt. Aber nichts genaueres mehr darüber wissen, da für sie nicht persönlich interessant.

    Die von Dir oben beschriebene 2. Bahnstrecke unter der normalen, könnte zu dem Tunnel passen der sich am Plättchesdole befindet. Wenn man genau schaut wären das sogar 4 Gleise gewesen. Gewaltig. Was ist da noch alles drin?

    Wünsche euch allen schönes Wochenende.

    Viele Grüße

  • Danke auch an Nukacola, der dieses Thema aufgegriffen hat.

    Ich bin mal auf weitere Infos gespannt.

    Zu vermuten ist allerdings, daß dieses "U Bahn"System aus militärischen Gründen ziemlich geheim gehalten wurde. Und die, die davon wußten, zur Verschwiegenheit verpflichtet worden waren. Zeitzeugen dürfte es wohl keine mehr geben, so daß sehr viel erforscht werden muß.

  • Quote

    Zu vermuten ist allerdings, daß dieses "U Bahn"System aus militärischen Gründen ziemlich geheim gehalten wurde. Und die, die davon wußten, zur Verschwiegenheit verpflichtet worden waren. Zeitzeugen dürfte es wohl keine mehr geben, so daß sehr viel erforscht werden muß.

    Der unterirdische Tunnel unterhalb vom Frankfurter Hbf über die Zeil nach xyz, ist auch verfültt, der rest fällt unter - Halt den Mund, sonst gibt´s Ärger!

  • Hallo an alle... was könnte man im Stadtarchiv von Neunkirchen wohl finden? Das ganz Gebiet um den "Plättchesdole" herum birgt viele Geheimnisse.

    Auch gibt es auf der "Scheib" ein ehemaliges Radiogeschäft auf der rechten Seite den Berg hoch. Dahinter ist ein Bunker der verschlossen ist. Darin hatte nach dem Krieg dieses Geschäft eine Menge an alten Fernsehern und Radios gelagert. Die sind alle noch drin. Zeitkapsel.


    Danke Joachim und Opet für die Bilder und Texte

    Edited once, last by Sebastian: Ein Beitrag von nukacola mit diesem Beitrag zusammengefügt. (June 30, 2026 at 11:04 AM).

  • So wie mir eine Dame aus Heinitz heute erzählt hat gibt es eine Ausstellung bzw. Gruppe in Neunkirchen die sich dieser Sachen wohl angenommen hat. Sie wusste aber keine Namen oder Daten.


    Vielleicht kann man da mehr rausfinden?

  • Hallo an alle... was könnte man im Stadtarchiv von Neunkirchen wohl finden? Das ganz Gebiet um den "Plättchesdole" herum birgt viele Geheimnisse.

    Hier empfiehlt sich ergänzend eine Recherche im saarländischen Landesarchiv. Die Akten der Luftschutzaktionen aus den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg (ab ca. 1935) und während des Krieges müssten dort eingelagert sein, weil es sich um übergeordnete Aufgaben handelte. Es gibt dort Bestände für den Eisenbahnbereich (Akten der ehemaligen RBD Saarbrücken) und den Nichteisenbahnbereich. Wo die Akten letztlich liegen, hängt von den Eigentumsverhältnissen der Bauwerke ab. Wenn die Stadt Neunkirchen die nach dem Krieg übernommen hat, lagern die Akten im Stadtarchiv, wenn sie nicht schon vernichtet sind. Ansonsten wäre das Landesarchiv für die Verwahrung zuständig.

    Üblicherweise liegt die Sperrfrist bei geheim gehaltenen Vorgängen bei 30-60 Jahren, sodass Akten aus den 1930er Jahren mittlerweile freigegeben sein sollten. Falls die Tunnel im Kalten Krieg noch relevant waren, wären sie bei 30jähriger Frist ebenfalls schon zugänglich. Wurden die Luftschutztunnel im Kalten Krieg tatsächlich weiter als solche aufrecht erhalten (-> Luftschutzprogramm der Bundesregierung ab den 1960er Jahren), könnten auch im Bundesarchiv Unterlagen zu finden sein.

    Die U-Bahngleise über die Blies sind allerdings nicht militärischer Natur, sondern entstanden zur kreuzungsfreien Querung der verschiedenen Streckengleise im Zulauf auf den Hauptbahnhof. Die Scans aus dem empfehlenswerten Heft von Omlor über die Entwicklung der Bahnanlagen in Neunkirchen geben das ganz gut wieder. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Schäden an der Brücke so groß und der Instandhaltungsaufwand so hoch, dass man die untere Gleisebene aufgegeben hat. Seitdem existiert im westlichen Gleisfeld die heutige Gleisführung, die keine kreuzungsfreien Fahrwege mehr zulässt.

    Auf dem Bild markiert der rote Strich den Verlauf des Tunnels. Der gelbe Pfeil zeigt in Richtung Motocross Strecke mit dem vermuteten Luftschutzstollen.

    Dieses Schema zum Stand von 1914 zeigt den Tunnel im Bereich Sinnerthal, ebenso die viergleisig unterirdisch verlaufenden Personenzugstrecken über die Blies.

    Die von dir angesprochene Tunnelstrecke gehörte zu einem weiteren Gleis Richtung Landsweiler-Reden. Ob es tatsächlich bis dahin führte, weiß ich nicht. Ein mir vorliegender Gleisplan aus 1985 zeigt dieses Gleis lediglich noch als Ausziehgleis des Rangierbahnhofs Schlawerie. Der Tunnel ist darauf nicht mehr zu sehen. Der Plan von 1914 zeigt auch, dass es zur Umfahrung des Rangierbahnhofs Schlawerie diente und direkt in den Pfalzflügel führte. Vielleicht entstand es nach dem Deutsch-Französischen Krieg aus militärischen Erwägungen heraus; das trifft ja auf einige Verbindungsstrecken in Deutschland zu, z. B. auch die mittlerweile abgebaute Verbindungskurve zwischen Pfälzischer Ludwigsbahn und Pfälzischer Maximiliansbahn unter Umgehung des Neustadter Hauptbahnhofs.

    1914.PNG

    Edited 7 times, last by Ludwigsbahn (June 28, 2026 at 8:36 PM).

  • Post by Ludwigsbahn (June 28, 2026 at 8:10 PM).

    This post was deleted by the author themselves (June 28, 2026 at 8:16 PM).
  • Hier noch ergänzend eine Streckenkarte aus dem Zeitraum 1935-1945. Dort ist der Tunnel nicht eingezeichnet, allerdings ist das ja auch nur eine schematische Darstellung. Die Tunnelabschnitte der Personenzugstrecken über die Blies fehlen hier z. B. ebenso.

    1930er.PNG

  • Hallo Ludwigsbahn,

    lieben Dank für die tolle Berichterstattung. Dann war das sogar ein Personenverkehr unterirdisch, wenn ich das richtig verstehe.

    Also der von mir rot gezeichnete Tunnel ist wirklich riesig und von beiden Seiten zugeschüttet. Man kommt von oben durch einen Abstieg heran. Die Atmosphäre ist überwältigend. Wie ein Zeitsprung in die Vergangenheit. Der rote Strich zeigt den noch vorhanden. Ich komme aber mit der Karte nicht klar, wo dieser genau ersichtlich ist in Vergleich mit meinem Google Maps Luftbild. Könntest Du meinen roten Strich vielleicht auf das Schema von Dir übertragen?

    Kannst Du was zu dem Bunker unter der Motocross-Strecke sagen? Finde toll, dass hier jeder so kompetente Unterhaltung führt.

    Viele Grüße :)